Inked by Apo Whang-Od – Tagestrip ins Buscalan Village (Tag 9: Philippinen Tripreport)

Deutsches Pärchen mit Apo Whang Od in Buscalan nach dem tätowieren

Inked by Apo Whang-Od – Ausflug nach Buscalan: Der 9. Tag war die Überraschung unseres Philippinen Trips. Wir schmissenen den eigentlichen Plan über Bord (Trecking zum Pointan Village und dem Tam-an Village) und besuchten dafür die 101 Jahre alte Tättoo-Künstlerin Apo Whang-Od. Abends reisten wir dann weiter nach Cauayan, um von dort am nächsten Tag den Flieger auf die Insel Cebu zu nehmen. Auf dem Weg dorthin machten wir auch unsere erste Nahtod-Erfahrungen. Viel Spaß mit dem Tripreport Philippinen Teil 9!



Die Planung



Wie von Banaue nach Buscalan?

Heute stand ganz unerwartet der Besuch der weltberühmten Tattookünstlerin Apo Wang-Od auf dem Plan. Zu Beginn unserer Reise hatten wir gar nicht auf dem Schirm, dass sich ihr Dorf Buscalan sich nicht allzeit weg von den Reisterrassen (ca. 86 km) befindet.
Ann-Katrin hat sie jedoch die ganze Zeit im Hinterkopf gehabt und schließlich gestern mal bei Alden nachgefragt, ob es als Tagestrip von Banaue aus machbar ist. Alden sagte das geht klar, mit einem Van bräuchte man ca. 2,5 Stunden pro Strecke und für 5k Peso würde uns einen Fahrer organisiert, der uns mit ihm dann hinbringt. Einplanen müsse man noch einen einstündigen Fussmarsch ins Dorf, was sehr spannend klingt. Das hieße also 7 Stunden hin und zurück, also theoretisch machbar.

Tun oder nicht tun? Das ist nun die Frage

Da aber heutet auch noch unser Abreisetag ist und wir im Anschluss noch ins 135 km entfernte Cauayan gebracht werden müssen, waren wir etwas skeptisch. 135 km klingt erstmal nicht viel, aber Googlemaps veranschlagt 4 ganze Stunden! Man fährt halt noch ein gutes Stück durch die Berge. Da wir aber keinen Zeitstress und auch Nachts in Cauayan ankommen können, machten wir es.
Von da an freuten wir uns tierisch auf den Besuch und obwohl wir beide nicht tätowiert sind, hatten wir den Plan uns von Apo Whang-Od wenigstens ihr Signature-Tattoo stechen zu lassen. Es handelt sich dabei schlicht und einfach um drei nebeneinander gesetzte Punkte. 

Hier ist übrigens eine interessante Doku über Apo Whang-Od

Die Hinweg


Die Fahrt nach Buscalan

Der Tag ging daher recht früh los: Sachen packen, Check-out, Frühstück und Gepäck im Homestay lagern. Um kurz nach 6 Uhr holte Alden uns ab und wir stiegen zu seinem Fahrer in weißen Neunsitzer-Mini-Van. Relativ schnellen Fusses fuhr er uns die 86km lange Strecke durch die wunderschöne Bergwelt in die Provinz Kallinga. Eine View jagte die nächste, aber auch der ein oder andere bedrohliche scheinende Abgrund am Straßenrand. Ein etwas vorsichtigere Fahrstil wäre mir mal wieder lieber gewesen, aber so lang Alden gechillt ist, sind wir es auch.
Wir machten einen kurzen Zwischenstopp in der kleinen Stadt Bontoc, um Geld abzuheben. Im Vergleich zu Banaue und den ganzen Dörfern fühlte es sich wie eine Großstadt an. Von da aus waren es weitere anderthalb Stunden Fahrt. Um kurz vor 9 Uhr bogen wir von der Hauptstraße ab, um über einen unasphaltierten Weg zu einem Parkplatz zu kommen, wo bereits einige Autos und Vans parkten. Die einheimischen Philippinos, die sich dort aufhielten, waren überwiegen Guides, die auf Kundschaft warteten.


Die Wanderung ins Dorf mit King Salomon

Alden hat uns schnell jemanden organisiert, der uns für 1000 Peso nach Buscalan und wieder zurückbringt. Der nette, erst etwas zurückhaltende junge Mann hieß Salamon, der trotz der warmen Temperaturen einen Sweater trug und sich die Kapuze über den Kopf zog. Philippineos schützen sich gern davor noch brauner zu werden. Die Einwohner Buscalans gehören übrigens dem Butbut-Stamm an, einer der vielen verschiedenen ethnischen Gruppierung die in der Provinz Kallinga zu Hause sind.
Der Weg zu Apo Whang-Od war kein chilliger Spaziergang. Zwar gab es keine schwierigen Kletterpassagen, aber für untrainierte und ältere Menschen wäre dieser Weg schon ein Kraftakt. Es ging erstmal abwärts in eine Talsenke und auf der andere Seite wieder steil bergauf. Ich bin schlecht in Höhenmeter schätzen, vielleicht waren es 200-300 Meter auf jeder Seite. Zwischendurch kamen uns immer wieder Einwohner entgegen oder überholten uns. Sie waren meist bepackt mit allerlei Zeug. Schon krass, wenn man bedenkt, dass alles was das Dorf benötigt, hingetragen werden muss.

 


In Buscalan


Die ersten Eindrücke

Nach einer Dreiviertelstunde sind wir am Dorfeingang angekommen, wo wir uns in einer Hütte registrieren lassen mussten. Ein paar Häuser weiter befand sich dann auch schon das “Tattoo-Studio”. Es war ein kleines überdachtes Holz-Häuschen direkt am Berghang, wo bereits fleißig gehämmert bzw. tätowiert wurde. Die Künstler waren junge Mädels, die von der 101-Jahre alten Apo-Whang Od ausgebildet werden. Eine davon ist ihre Großnichte. Die Tattoo-Hütte war ein kleines Museeum. Überall waren Fotos, Visitenkarten, Widmungen und sogar Personalausweise von zufriedenen Kunden angebracht. Die Zahl der wartenden Touristen war überschaubar. Wir haben gelesen, dass man auch Pech haben kann und man gar nicht erst dran kommt, wenn zu viele Touris da sind. Eine Vorabterminvergabe gibt es hier nun mal nicht. Bei uns dauerte das Warten glücklicherweise nur ganze 3 Minuten!

“Um dem Risiko, nicht dran zu kommen zu entgehen, reist am besten nicht am Wochenende an, denn dann sind zusätzlich noch einheimische Touristen unterwegs zu Apo-Wang Od.”

Bendjas Traveltips



Inked by Apo Whang-Od:

Als die stylische Apo kurz an uns vorbei huschte, hat Salamon direkt ein paar Worte mit ihr gewechselt. Kurz darauf holte sie ihr Werkzeug legte an Ort und Stelle los – ganz unromantisch auf dem Boden sitzend. Erst Ann-Katrin, dann ich. Ann-Katrin hat sich die Innenseite über ihre linken Fussknöchel ausgesucht, ich mir den linken Oberarm in Schulterhöhe. Tätowiert wird übrigens mit einem Gemisch aus Kohle und Wasser. Reingehämmert wird das Ganze dann mit einem Dorn des Pomelo- oder des Calamansibaums, der an einem Stock befestigt wird. Klingt brutaler als es ist. Hin und wieder konnte das Zwicken mal unangenehm werden, aber es war ansonsten war es überhaupt kein Thema. Der Vibe war superchillig und Apo war supernett drauf. Sie musste einmal laut lachen, als wir meinten, der Sound mache Pakpak. “Pakpak” bedeutet bei den Philippinen nämlich schnackseln :-).


Whang-Ods lustiger Trademark-Move

Zum Schluß machten wir noch ein gemeinsames Foto, wobei mir Whang-Od ihre Hand aus Versehen auf meinen Schritt gelegt hat. Großes Gelächter hatte es zur Folge. Monate später fanden wir heraus, dass der Griff in den Schritt quasi ihr Trademark-Move ist. Man findet von ihrem “Penis-Grab” viele lustige Bilder im Internet. Bei uns wurde in dem Moment leider nicht auf den Auslöser gedrückt. Dennoch haben wir zwei richtig coole Pics mit ihr.

Apo Whang-Od und ein deutsches Pärchen in Buscalan nach der Tättowier-Session
Wir und Apo, welch wunderschönes Bild


Tattoo-süchtig

Ein Schwein liegt seitlich auf dem Boden und lässt sich streicheln
Das Schweinchen lässt es sich gut gehen

Wir hielten uns noch eine Weile dort auf. Wir schnackten mit den Einwohnern, den anwesenden Travellern und streichelten das Schweinchen, dass dort in der Gegend rumlief. Nach einer halben Stunde überlegen, entschied ich mich dazu meiner frischen Tattoo-Sucht zu frönen und mir ein weiteres Tattoo, diesmal von Whang-Ods Großnichte, stechen zu lassen.

Die Symbole der Stammes-Tattoos

Ein Poster mit den Tattoo-Symbolen von Apo Whang-Od
Diese Symbole standen zur Auswahl

An der Wand ist eine Auswahl der zu stechenden Symbole angebracht. Bei den Symbolen handelt es sich um Stammestätowierungen, die weit vor der kolonialen Zeit auf den Philippinen ihren Ursprung haben. Typische Motive sind geometrische Figuren, bestehend aus Linien und Kreisen, die z.B. Tiere oder Himmelskörper darstellen. Ich entschied mich für den Kompass, welches die Bedeutung „guidance“ hat, also Orientierungshilfe. Man sagte mir, dass es auch ein beliebtes Travellersymbol ist. Ich bin schon viele Wege gegangen und traveln tue ich auch, als passt! Das Tattoo kostet schlappe 500 php, die Signatur von Apo übrigens nur 100 und ein paar Zerquetschte. Der teuerste Kostenpunkt war somit der der Guide, der uns ins Dorf brachte. Irgendwie verrückt.

Mein zweites Tattoo

Apo Whang-Ods Großnichte tätowierte wesentlich feinfühliger als Apo musste ich feststellen. Ich bin währenddessen sogar zweimal weggenickt. Schon nach kurzen Zeit hatte es was Meditatives. 40 Minuten später war ich dann um mein zweites Tattoo reicher und es ist wirklich sehr hübsch geworden. Die Frage, ob es eine bestimmte Pflege bedürfe, wurde verneint. Duschen oder im Meer baden sei in den nächsten Tagen ist kein Problem. Coole Sache, wär auch irgendwie doof gewesen, jetzt wo es doch morgen auf die Insel gehen soll.


“Im Vergleicht zu den “normalen” Tätowierungen, sind die Stammestattoos sehr pflegeleicht. Man kann mit den frischen Tattoo ohne Probleme im Meer Baden und Duschen gehen.”

Bendjas Travelinfos


Die Rückreise: Buscalan – Banaue – Cauayan


Back to Banaue

Wir verabschiedeten uns und machten uns auf den Weg zurück. Im Dorf trafen wir noch auf einen Einheimischen der uns plötzlich auf deutsch angesprochen hat! Ich fragte ihn, warum er so gut deutsch kann und seine Antwort war „warum nicht?“ Wir lachten. Er verabschiedete sich mit einem „machs gut, bis später!“ Vermutlich hat er mal als Seemann auf einem deutschem Schiff gearbeitet. Der Rückweg zum Parkplatz mit Salomon, den ich liebevoll King Salomon nannte, war sehr unterhaltungslästig. King Salomon ist inzwischen richtig aufgetaut und erzählte uns über die Stämme, die Gegend Kallinga und über sein glühendes Interesse für Alexander den Großen. Am Parkplatz erwartete uns Alden geduldig mit seinem Fahrer und wir fuhren wieder zurück nach Banaue. Wir verschliefen die halbe Fahrt.


7th Heaven’s Cafe – Warten auf Fahrer Nr. 2

Als wir um kurz nach zwei in Banaue ankommen sind, war uns beiden schlecht. Der Fahrstil der Pinoys war uns mal wieder zu crazy. Leicht wankend holten wir unser Gepäck vom Banaue Homestay ab und fuhren dann ins 7th Heaven’s Cafe, um dort auf unseren neuen Fahrer zu warten. Dort chillten auf auf dem Balkon von dem man eine fantastische View über Banaue hat. Wir waren zwar hungrig, aßen aber nur eine Suppe, weil uns immer noch schlecht war. Wir brauchten wir unbedingt was mit Brühe. Den Rest der Zeit nutzen wir für Dösen und Handys aufladen.Nach etwa einer Stunde war der Fahrer dann da. Wir hatten den Luxus in einem mittelgroßen komfortabler Honda SUV gefahren zu werden


Nahtod-Erfahrung auf der Fahrt nach Cauayan

Die Fahrt dauerte insgesamt 3 1/2 Stunden. Anfangs sehr kurvenreich durch die Berge, die zweite Hälfte dann sehr straight durchs Flachland mit gut ausgebauter Straße. Hier kam es dann zu unserem ersten Nahtod-Erlebnis. Auslöser dafür war ein riskantes Überholmanöver. Unser Fahrer hatte vor, einen Convoi von ca. 10 Autos, die hinter einem LKW hinterher dümpelten, zu überholen. Als vielleicht gerade mal die Hälfte geschafft war, kam uns der Gegenverkehr schon ziemlich nah. Der Fahrer gab Vollgas, um den Convoi noch rechtzeitig zu überholen. Wir sahen den Gegenverkehr kam immer näher auf uns zu kommen. Ann-Katrin gab nur ein leises verzweifeltes, resignierendes „oh nein“ von sich und ich krallte mich in den Sitz und schloss parallel dazu leicht seufzend mit meinem Leben ab. Überraschenderweise schaffte wir es gerade noch so vor dem vordersten LKW einzuscheren. Es hat wirklich nicht viel gefehlt. Wir atmeten alle erleichtert auf. Die nächsten 10 Minuten herrschte erstmal kollektives Schweigen und wir erholten uns langsam von dem Schock. Das Gute ist, der Fahrstil des Fahrers war die restliche Strecke über sehr angenehm. 

Das Lachen ist uns später dann vergangen


Cauayan


Das JAPI-Hotel in Cauayan

Um 19.30 sind wir dann heile am JAPI Hotel angekommen. Das Hotel lag direkt an der Hauptstraße und hatte ein wenig US-Motel-Charakter.Wir bedankten uns bei Alden für die 3 hammermäßigen Tage und verabschiedeten uns herzlichst. Gebucht haben wir die Zimmer übrigens über Facebook-Seite per Messanger. Auf booking.com, tripadvisor.de und sogar auf der Homepage gab es keinen Buchungsoption. Wir buchten den Deluxe Room im Hauptgebäude für 1.940 php (35€) inklusiv Frühstück und Zugang zum Pool und Yakuzi. Das Zimmer waren eigentlich solide und sauber, aber irgendwie trotzdem nicht einladend. Aber es war ja für uns auch nur als Zwischenstop gedacht, um morgen früh den Flug pünktlich zu kriegen. Dafür machte immerhin der beleuchtete Outdoor-Pool was her.



Abendessen, Pooltime und nach Hause telefonieren

Nach dem Einchecken gingen wir erstmal mit unseren neuen Tattoos ne Runde plantschen, gratulierten meiner Schwiegermama in Deutschland per Whats-App-Call zum Geburtstag und aßen im Hotelrestaurant zu Abend. Erschöpft fielen wir ins Bett. Wir freuten uns über die gute Zeit in der philippinischen Bergwelt, über unsere neuen Tattoos und vor darüber, dass wir vorhin nicht gestorben sind. Nach diesen aktiven Tagen waren wir reif für die Inseln und erwarteten sehnlichst die chillige Zeit, die uns auf Cebu und Siquijor erwarten tut (geiles Deutsch, aber egal :-)).

Tag 9 auf der Map



Das erwartet euch morgen

Tja, nun sind wir Inked by Apo Whang-Od! Wär hatte das am Anfang der Reise gedacht. Im nächsten Beitrag lest ihr, wie unser Flug von Cauayan über Manila nach Cebu verlief. Außerdem besuchten wir meinen Vater in Minglanilla, einem kleinen Städtchen ca. 45 Minuten südlich von Cebu und verbrachten mit ihm den Abend auf dem Boardwalk in Naga City.
Bye und bis morgen!


Weitere Links zur Philippinenreise



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