Malerische Winterwanderung auf den Brocken im Harz

Bendja bei der Neujahrswanderung auf dem schneebedeckten Brocken im Hintergrund die Wetterstation

Zuletzt aktualisiert am 5. August 2022

Winterwanderung auf den Brocken: Am 1.1.2020 begrüßten wir das neue Jahrzehnt ausgeschlafen ohne Kater und voller Tatendrang. Die Maus und ich fuhren mit einer Freundin in den Harz, um das erstmal in unserem Leben auf den Brocken zu wandern. Da wir nicht die krassesten Wanderer sind, suchten wir uns eine relativ „leichte“ Route aus. Diese beginnt in Oderbrück, hat eine Länge von 8km und eine Differenz von nur ca. 350 Höhenmetern. Was wir allerdings nicht wussten: im Harz lag vereister Schnee! In diesem Artikel stelle ich auch die Strecke und ihre einzelnen Abschnitte vor. Außerdem erfahrt ihr, wie wir uns bei der Neujahrswanderung geschlagen haben. Viel Spaß!


Startpunkt Oderbrück

Es war mit 12 Uhr schon fast etwas zu spät als wir vom Parkplatz in Oderbrück den Wanderweg betraten. Im Winter es bekanntlich früh dunkel und wir hatten eigentlich nicht vor im Dunkeln zurück zu wandern. Naja, wir waren aber top motiviert und das Wetter hätte besser nicht sein können. Klarer Himmel und Sonnenschein, ein Traum! Ähnliches Glück hatten wir schon bei der Herbstwanderung zum Ilsestein.

Der erste Abschnitt unserer Strecke war ein Teilabschnitt des bekannten Kaiserwegs, ein 110 km langer Fernwanderweg durch den Harz. Er verlief eine Weile parallel an einem kleinen Bächlein entlang, der im Hintergrund leise vor sich hinplätscherte. Idyllische Vibes an einem Neujahrsmorgen. Nice!



Zum dreieckigen Pfahl

Nach den ersten 2 km ging es für uns bei der ersten Abzweigung nach rechts weiter entlang eines dichten märchenhaften Tannenwalds. Höhenmeter mussten wir hier noch keine nennenswerten zurücklegen, allerdings war es an manchen Stellen schon recht rutschig. Provisiorische Wanderstöcke leisteten zeitweise etwas Abhilfe.

Einen Kilometer später erreichten wir mit der nächsten T-Kreuzung einen geschichtsträchtigen Ort (wir wussten das zum Zeitpunkt der Wanderung allerdings nicht). Gemeint ist der „Dreieckige Pfahl„, ein 1,35 Meter kleiner Grenzstein, der die damalige Grenze zur ehemaligen DDR markierte. Wir haben ihn überhaupt nicht wahrgenommen, sondern sind einfach den Wegweisern gefolgt. Also haltet eure Augen nach dem Grenzstein auf!



Grenzweg am Bodesprung

Geschichtsträchtig ging es weiter nachdem wir links auf den „Grenzweg am Bodesprung“ abgebogen sind: Rechts Sachsen-Anhalt, links Niedersachsen. Erinnerungen an den Kalten Krieg wurden wach. Hier wurde es nun noch eisiger und glatter. Eine regelrechter Rutschpartie begann. Es gab mehrere kleine Steigungen, die zu kleinen Herausforderungen wurden. Und dann passierte, was ich befürchtete.

Einige Leute kamen uns entgegen und teilten uns mit, dass sie bei einer steileren Steigungen an der Glätte scheiterten und abgebrochen haben. Soll es das also gewesen sein? Den ersten Tag im neuen Jahrzehnt mit einem Scheitern beginnen? Nenene, nicht mit uns, das schauen wir uns selber an.
Und siehe da: wir haben die besagte Stelle – in zwei Etappen mit eingeschobener Brotpause allerdings – gemeistert, auch wenn es wirklich hardcore-rutschig war. Wir hielten uns an Ästen am Wegrand fest und machten auch ein, zwei Mal Bekanntschaft mit dem Boden.



Harzromantik: Brockenbahn und amazing Views!

Oben angekommen trafen nun auf das Schienennetz der kultigen Brockenbahn. Dabei knackten wir die 4km Marke. Während wir nun nach links weiter parallel zu den Schienen weiterwandern, freuten wir uns, als das eiserne Ungetüm das erste Mal an uns vorbei schnaubte. Nostalgische Harzromantik vom Feinsten. Weniger romantisch war die immer noch existierende Glätte, weshalb wir uns entschieden, auf den Schienen weiterzulaufen, wo kein Eisschnee lag. Klingt gefährlicher als es war, weil man hört ja Dampflock schon von Weitem.

Auf der linken Seite eröffnete sich uns eine Wahnsinnsviews auf den Harz. Für solche Momente macht man das Ganze. Nach einer lange Rechtskurve konnten wir auch den Brockengipfel erblicken mit seiner herausragenden Funkstation.



On Top of the Harz

Nach weiteren sich etwas in die Länge ziehenden zwei Kilometern ging es für uns über eine betonierte Zubringerstraße recht steil bergauf. Der letzte Kilometer für uns! Eine Kurve rechts, zwei Kurven links und dann waren wir endlich oben. Wohooo!
Die Uhr zeigte 14:45 Uhr, d.h. wir haben in etwa zwei Stunden und 45 Minuten für die Strecke gebraucht. Ein paar Minuten sind natürlich der Glätte geschuldet, weshalb unsere benötigte Zeit nicht repräsentativ ist.


Der Ort hier scheint mit seinem alten Funkturm, dem Brockenbahnhof und dem Brockenhotel mit seiner runden Kuppel ein wenig aus der Zeit gefallen zu sein. Ich fühlte mich ein wenig wie auf einer Mondstation, wie sie in den 70er ausgesehen hätte. War schon echt flashig da oben. Dazu die View in allen Richtungen! Ich würde sagen, der Aufwand hat sich gelohnt.



Im urigen Brockenwirt

Wir sehnten uns aber vor allem nach einer warmen Mahlzeit und kehrten als allererstes im rustikalen Brockenwirt ein. Auch dieser Laden ist etwas in die Jahre gekommen, dafür aber sehr urig und authentisch. Ganz stilecht gönnte ich mir eine Soljanka Suppe.
Für die, die es nicht kennen sollten: Soljanka ist ein osteuropäisches Gericht, dass in der DDR sehr beliebt war. Es besteht aus diversen Fleischwürsten, Paprika, Tomaten und einem großzügigen Klecks saurer Sahne. Die Girls nahmen solide Currywurst und Pommes.
Unser Mahlzeit tat echt gut, aber ja, das weltbeste Essen sollte man hier nicht erwarten.



Panoramas und Sehenswürdigkeiten des Brocken-Plateaus

Danach hielten wir uns eine Weile auf dem Brocken-Plateau auf, schweiften in die Ferne und genossen das absolut hammermäßige Panorama auf 1142 Meter Höhe, dem höchsten Punkt in Norddeutschland! Normalerweise hat man hier oben 300 Tage im Jahr Nebel, aber heute nicht! Klare Sicht für uns. Keine Besonderheit ist hingegen der Schnee, denn dieser soll hier wohl den gesamten Winter über rumliegen. 



Rückweg aka Wettlauf gegen die Dunkelheit

Inzwischen war es 16 Uhr und somit für uns an der Zeit den Rückweg anzutreten. Der Harz tauchte langsam ins Abendlicht ein, während wir der untergehenden Sonne entgegen wanderten. Viele Leute waren allerdings nicht mehr auf dem Weg nach Oderbrück unterwegs. 

Die schwierige Steigung von vorhin rutschen wir auf dem Arsch runter. Hat super geklappt :-). Das Herrliche am Rückweg war die einkehrende Stille ab der Hälfte der Strecke. Wir blieben zwei, dreimal kurz stehen um ganz bewusst in sie reinzuhorchen! Für uns Stadtkinder ein seltenes Phänomen.

Die restlichen 3 km wanderten wir in völliger Dunkelheit. Wir waren über die vereinzelte Anwesenheit anderer Wanderer dann auch froh. Unser Handyakkus hatten zum Glück noch Saft und so konnten wir uns erfolgreich den Weg zum Auto erleuchten und die Winterwanderung auf den Brocken erfolgreich zum Abschluss bringen.


Fazit:
Für uns war es ein fantastischer Start in dieses Jahrzehnt, das nur leider kurz darauf eine unschöne Wendung genommen hat Ich kann die Wanderung jedem Naturfreund und auch jedem amateurhaften Wanderer ans Herz legen. Jeder Norddeutsche sollte sowie einmal im Leben auf den Brocken gewandert sein!?
Warum dann also nicht am 1. Januar des nächsten Jahres? Aber auch ohne lange Strecken zu Wandern ist der Harz ein lohnenswertes Reiseziel für einen Winterurlaub in Deutschland.



Winterwanderung zum Brocken auf der Map



Das Wichtigste zusammengefasst

  • Start: Parkplatz Oderbrück an der B4
  • Länge: knapp 8 km für eine Strecke
  • Höhenmeter: 350
  • Benötigte Zeit: hoch 2:45h, zurück etwas schneller
  • Zeit auf dem Brocken: 1h, aber mehr geht immer
  • Essensmöglichkeit: Brockenwirt
  • Weitere Wanderrouten findet ihr auf harzinfo.de
  • Alternativen zum Wandern:
    • Eine Fahrt mit der Brockenbahn. Tickets gibt es hier


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? Der Großteil der Bilder in diesem Beitrag wurden mit einer Canon Powershot G7x* geknipst.

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2 thoughts on “Malerische Winterwanderung auf den Brocken im Harz

  1. Merkwürdigerweise war ich auch schon unzählige Male im Harz, aber noch nie auf dem Brocken. Euer Artikel und die faszinierenden Bilder haben mich wirklich inspiriert, diese Lücke in meinen Harz-Erlebnissen zu schließen. Eure Beschreibung der Wanderung, kombiniert mit den atemberaubenden Winterlandschaften, vermittelt ein so lebendiges und einladendes Bild, dass ich es kaum erwarten kann, selbst diese Erfahrung zu machen. Die Tipps und Ratschläge, die ihr teilt, sind sehr hilfreich und werden mir sicherlich bei meiner eigenen Planung helfen. Vielen Dank für die großartige Inspiration!

    1. Hi Michi, ja ich kenne dass, wenn es Orte in gibt die man schon längst hätte sehen können, aber es diversen Gründen noch nicht gemacht (bei mir z.B. Miniaturwunderland, trotz unzähliger Hamburgbesuche.
      Dann hoffe ich mal, dass es schon bald klappt. Gerade jetzt wäre ja sogar eine Winterwanderung möglich 🙂

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