Polnische Ostsee – Kurzurlaub in Kolberg im Herbst (Tripreport Teil 1)

Blau-Weiss gestreifte Strandkörbe in Kolberg

Kurzurlaub in Kolberg: Im Oktober 2020 zog es uns mit unserem 6 Monate alten Hund, einem Cockapoo, recht spontan für ein verlängertes Wochenende an die polnische Ostseeküste. Ursprünglich hatten wir für den Zeitraum 4 Tage im niederländischen Scheveningen (Den Haag) mit Freunden vorgesehen (Grüße an Benski und Danni), aber da die Region Südholland Mitte September zum Corona-Risiko Gebiet erklärt worden ist, fiel der Trip leider ins Wasser und es musste ein adäquater Ersatz her. Nach längerem Hin und Her machte Polen das Rennen, wobei das in Westpommern liegende Kolberg (auf polnisch Kołobrzeg )wegen der nicht zu weiten Strecke und einer recht günstigen Unterkunft das Rennen machte. Am Freitagabend des 2.10.2020 war Polen immer noch kein Risikogebiet und so buchten wir für die nächsten 3 Tage das Appartement Blue Mare Blizej für knapp ca. 200€.


Kolberg Tag 1 – Anreise und Ankunft

Es ist soweit: Cześć Polska

Am sonnigen Samstagmorgen machten wir uns um kurz nach 8 Uhr auf den Weg. Das Navi zeigte uns 13:57 Uhr als Zielzeit an. Für eine die Strecke von 565 km erschien uns das etwas unrealistisch. Wir kamen unterwegs auch in mehrere kurze Staus und unserem Süßboy zuliebe, der leider gar kein Fan vom Autofahren, machten wir alle 2 Stunden einen kurzen Gassi-Stop. An der polnischen Grenze bei Stettin wurde nicht kontrolliert und so betraten wir drei das erste Mal in unserem Leben polnischen Boden.



Übrigens wandele ich nun auf den Pfaden meiner eigenen Geschichte, da der deutsche Teil meiner Familie in Pommern lebte, bis sie Anfang 1945 im zweiten Weltkrieg von der Roten Armee vertrieben wurde. Ursprünglich hatten sie vor mit der Wilhelm Gustloff über die Ostsee flüchten, aber meine Oma hatte keine gutes Gefühl dabei und entschied sich für den Landweg. Welch Glück, denn es wäre genau die Fahrt gewesen, an der die Wilhelm Gustloff versenkt wurde und 10.000 Menschen ihr Leben verloren haben!

Aber nun weiter im Text:
Die Landschaft hinter der Grenze war recht idyllisch, mit vielen hübsche Nadelwälder entlang der Strecke. Das Tempolimit lag meistens bei 120kmh und da ich nicht wusste, wie hoch die Toleranzgrenze in Polen ist, stellte ich das Tempomat auf exakt 120 km. Um ca.16 Uhr kamen wir dann endlich an unserer Unterkunft in Kolberg, wo unser Vermieterin schon auf uns wartete.

Apartment Check-in

Unser Appartement befand sich in in der 3. Etage eines Wohnkomplexes und sah, bis auf die Farben, genau so aus wie auf den Bildern im Internet: Sauber, hell und schick. Weitere Infos werdet ihr im Artikel „Tipps für deinen Urlaub in Kolberg“ finden (in the Making).

Der Urlaub geht offiziell los: Der Hauptstrand

Nun wollten wir schnell an den 500 Meter enfernten Strand, um noch soviel Sonne zu tanken wie geht. Leider verzögerte Trouble mit einer Parkuhr (wir hatten keine Zlotys und Kartenzahlung ging nicht) und Umparken den Besuch um eine wertvolle halbe Stunde Minuten. Völlig umsonst, weil Parken in der Nebensaison (Oktober – April) umsonst ist. Infos über die Parkgebühren & co findet ihr hier.
Dafür hat uns der Haupstrand gleich umgehauen! Er war viel schöner und größer als wir gedacht haben und schien kein Anfang und kein Ende zu haben. Die ganze Anstrengungen von der Anfahrt, die Staus und am Ende der Stress mit der Parkuhr war sofort wie weggeblasen. Genau für solche Momente, wo man endlich am Meer steht, frische Meeresluft einatmet und sich einfach nur frei fühlt, macht man das. Lolo war auch gleich Feuer und Flamme mit dem feinen Sandstrand und machte richtig Action. Es waren recht viele Hunde ohne Leine unterwegs. Die meisten Spaziergänger waren den Hunden wohl gesonnen und erfreuten sich am Anblick unseres tobenden Raubauken. In der Hauptsaison sind Hunde am Hauptstrand allerdings nicht gestattet.


Strandkörbe und Seebrücke

Wir spazierten vorbei an den Strandkörben ca. anderthalb Kilometer weiter Richtung Seebrücke, wo sich direkt davor das Sanatorium Uzdrowiskowe Baltik  befindet, das einzigen Hotel das direkt am Strand gebaut werden durfte. Ja richtig gehört! Kolberg hat sich wunderbarerweise dafür entschieden, den Strand nicht zubauen zu lassen. Stattdessen trennt ein kilometerlanger Kurpark den Strand vom Ort. Super Sache!


Italienisch Essen in Polen

Als die Sonne sich verabschiedete gingen wir sofort auf Essenssuche, denn wir waren hungrig von der Fahrt. Ohne große Umwege und Recherche brachte unser Bauchgefühlt uns zum Italiener Trattoria Corleone. Lolo durfte mit rein und wir genehmigten uns Zwiebelsuppe und Bruscetta als Vor- und Fischgerichte als Hauptspeise – ich hatte einen Heilbutt mit Pastinakenpüree und Grillgemüse, die Maus hatte Dorsch. Wenn wir schon nicht polnisch essen, dann wenigsten Fisch – wir sind ja schließlich am Meer. Das Restaurant war super, gute Küche, angenehmes Ambiente und einer sehr netten Bedienung. Ich spreche hiermit meine offizielle Empfehlung aus.


Endlich Geld und Kurpromendae

Direkt neben dem Restaurant war eine kleine Mini-Mall, die Galeria Molo, in der wir direkt hinter dem Eingang Geldautomaten fanden. Yay, endlich Zlotys auf Tash. Zurück nahmen wir den Weg über die Kurparkpromenade, wo noch einiges los war. Ein Straßen-Piano-Spieler spielte einen astreinen Maple Leaf Reag von Scott Joplin, Ballonverkäufer verkauften weirde Leuchtballons, die sehr gefragt waren und im offenen Wintergarten eines Restaurant spielt eine Band. Hier war noch gut was los, auch wenn die meisten Verkaufswagen und -stände schon zu waren. Ich glaub in der Hauptsaison ist hier richtig Halli Galli. Leider wurde es schon recht kalt und wir wollten nur nach Hause. Wir hatten das bei unserer heutigen Kleiderwahl nicht bedacht, dass es Abends im Oktober schnell kalt werden kann.


Zu Hause angekommen ging es sofort ins Bett, das leider sauklein war. Und wir sind mit 1.70 Meter ja keine großen Menschen. Auch Lolo kam nicht zur Ruhe, weil unser Bett ein Bettkasten war und er nicht wie gewohnt, unter dem Bett schlafen könnte. Er wusste einfach nicht, wohin mit sich.

Kolberg Tag 2 – Altstadt und Hafen

Dzień dobry, polska

Ich war noch tief am schlafen als die Maus morgen mit Lolo von einem sonnigen frühmorgentlichen Gassi-Walk am Strand zurückkam. Anscheinend machte mich die Meeresluft müde. Da wir gestern nichts mehr eingekauft war der Kühlschrank empty und auch der überlebenswichtige Morgenkaffee fiel weg 🙁
Wetter soll heute nicht so schön werden. Die Wetter App sagte Regen an und es wurde auch schon allmählich grauer. Aber jetzt erst mal was frühstücken fahren.


Frühstück im hippen Coffeedesk 1

Wir landeten im Coffee Desk One (im Internet das Coffeedesk Kawiarnia – Bajkoew) das etwas außerhalb des Zentrums lag, weshalb flanierendes Publikum hier eher weniger den Weg her findet. Der Laden ist ziemlich hip und ich fühlte, dass der Kaffee awesome sein wird. Es war ein Mix aus Café und Shop für Kaffeemaschinen & Zubehör und es war alles am Start: verschiedenste Maschinen, French Presses & Chemix(e) in unterschiedlichen Größen, sowie eine kleine Auswahl an Büchern. Hunde sind willkommen und am Eingang stand ein voller Wassernapf. 

Unsere Toasties mit Chorizo und Käse, bzw. für die Maus ein Vegetarisches, 2 Cappucini und 2 frischgespresste O-Säfte kosten umgerechnet 16 € und waren vorzüglich. Wir holten Nachschlag und kauften am Schluss noch 1 Buch, 1 Kaffeefilteraufsatz und Kaffee für unser Apartment. 


Gut gestärkt fuhren wir in Richtung Zentrum. Auf dem Weg dorthin erinnerten viele ältere sozialistische Plattenbauten an den damaligen Kommunismus. Das graue Wetter heute unterstrich die Tristness und sorgte für authentisches Ostblockfeeling.  


Die mittelalterliche Altstadt

Die historische Altstadt sollte uns zeitlich noch weiter in die Vergangenheit befördern. Was gab es zu sehen? Als erstes wäre da der mittelalterlichen Luntenturm. Der heißt so weil dort schon damals viele Lunten geraucht worden sind! Er stammt aus dem 15. Jh und ist das letzte Überbleibsel der einstigen Stadtmauer. Von da aus erreichten wir rechtsseitig die schönste Straße Kolbergs: die Dubois. Ein leichtgebogene Straße mit pastelfarbenden Häuserchens, die um eine Grünfläche herumführt. Schickes Fotomotiv bwz. auf neudeutsch: sehr instagramable.


Nicht weit entfernt steht der beeindruckenden Kolberger Dom, der über der Altstadt throhnt. Wenn kein Gottesdienst stattfindet, kann man rein und bis ganz nach oben gehen, um die Ausischt zu bestaunen. Wir spazierten weiter durch kleine verkehrsberuhigte Altstadtstraßen mit Restaurants, Kneipen, Cafés und Läden. Weil Sonntag war, hatte vieles natürlich zu. Hier findet man auch das Rathaus, ebenfalls ein hübsches Gebäude, dass im neogothischen Stil gehalten ist. 
Facts zur Altstadt: Im zweiten Weltkrieg wird sie beinah komplett zerstört, der Dom beispielsweise war eine völlige Ruine, die wieder rekonstruiert wurde. Lediglich das Rathaus und der Luntenturm blieben unversehrt.


Wir spazierten allmählich zurück zum Auto, da es ziemlich frisch wurde und anfing zu regen. Außerdem war es auch etwas stressig mit unserem Welpen. Sobald ich stehen geblieben bin oder vorgeganen bin, um Fotos zu schießen, fing er an zu jammern und wollte zu mir. Das ganze natürlich auch andersrum. Er verkraftet es einfach nicht, wenn das Rudel sich trennt. 

Oktober Rain

Wir wollte noch einkaufen, aber die großen Ketten (Kaufland, Netto) hatten hier all zu. Dafür gibt es hier einige kleinen Lebensmittelgeschäfte (erkennbar an so grünen Schildern) die zum Glück alle offen hatten und wir uns eindecken konnten. Im Gegensatz zum Gastronomie-Sektor herrschte im Einzelhandel zum Glück Maskenpflicht und eigentlich auch Abstandsregel. Mit den Einkäufen ging es zurück ins Appartment, wo wir 3 Stunden gemütlich abhingen, während es sich draussen ausregnet. Laut Wetterbericht soll ab 16 Uhr die Sonne scheinen und sie kam tatsächlich pünktlich wieder raus!



Passagierhafen, Leuchtturm, Promenade

Wir fuhren zum Passagierhafen, um Schiffe zu gucken, am Strand zu flanieren, den Leuchtturm zu bestaunen und Essen zu gehen. Die Parkplätze waren heiß begehrt, aber wir hatten Glück und parkten in der Nähe eines kleinen Parks! 


Wir schlenderten über die belebte Promenade vorbei an diversen Fischbraterien, Cafés und Souveniershops in Richtung Leuchtturm, Kolbergs Wahrzeichen, das sich direkt beim Passagierhafen befindet. Dort lagen übrigens zwei beiden Piratenschiffe an, mit denen man einen kleine Schiffstour unternehmen kann. Was es mit den Piratenschiffen auf sich hat, hat sich mir nicht erschlossen. Vielleicht gab es hier ähnlich Piratenlegende wie dieser Störtebeker-Dude. Who knows? Aber ansonsten herrschten hier nette Vibes. Der backsteinernde Leuchtturm wurde von der Sonne angestrahlt und leuchte auch so, während um uns herum Leute flanierten und Möwen ihr Unwesen trieben.


Strand again

Dann ging runter zum Strand in Richtung Seebrücke. Normalerweise sind Hunde hier ja nicht gestattet, aber es juckte anscheinend keinen, da genug anderen Hundehalter-Gangster-Genossen unterwegs waren. Lolo traf sein 4 Wochen jüngeres Ich, ebenfalls 1 Cockapoo mit dem er tobte, was das Zeug hält.


Wir ergattern den letzten freien Strandkorb (die Strandkörbe sind in der Nebensaison wohl umsonst) und ließen uns von der Abendsonne anstrahlen. Vor laute Hitze zogen wir unsere Pullis aus. Herrliche Spätsommervibes im polnischen Oktober. Wer hätte das gedacht, nach dem verregneten Nachmittag?!


Restaurant Pod Winogronami

Bei untergehender Sonne und blau-pink gefärbeten Abendhimmel ging es zurück in die Hafengegend. Ziel war das topbewertete Restaurant Pod Winogronami. Der mit Weinranken geschmückte Außenbereich ist ein Blickfang. Serviert wird deftige Küche. Leider durfte Lolo nicht rein, weswegen wir draussen Platz nehmen mussten. Wir akzeptierten unser Schicksal und suchten uns einen Platz in Nähe des Heizpilz, der aber nicht wirklich heizte Obwohl es mit der Dunkelheit schlagartig kälter geworden ist, wollten erstaunlich viele Leute draussen sitzen. Der Service war nicht so herzlich, wie gestern und das Essen hat recht lang gedauert. Wäre es nicht so kalt gewesen, hätte es uns nicht gestört. Egal, ich hatte eine Polnische Sauermehlsuppe mit Wurst und gekochten Ei, die sehr gut schmeckte. Mein Hauptgang war gebratene Wildschweinkeule mit frittierten Kartoffeln und einem Rote-Beete-Salat. Dazu gab es irgendein polnisches Bier. Fleisch war auf den Punkt und die Beilagen solide. Die Maus war nicht so begeistert und trauerte dem Italiener von gestern hinterher 🙂


Durchgefröstelt gingen wir zum Auto und dann nach Hause. Vor uns lag eine Nacht des Grauens. Warum, das erfahrt ihr im Tripreport Kurzurlaub in Kolberg Teil 2.



Triprepot Kolberg Teil 1 auf der Map



Fortsetzung folgt

Hier geht es zum zweiten Teil des Tripreports von Kolberg:
Kurzurlaub in Kolberg Teil 2

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